Klimakiller Hundefutter? Die Balance zwischen Tierwohl und Umweltschutz
- Diana Duquenoy
- vor 4 Tagen
- 6 Min. Lesezeit

Warum verursacht Hundeernährung CO₂?
Wir alle wollen nur das Beste für unsere Hunde. Wenn wir vor dem Futterregal stehen, greifen wir oft ganz instinktiv zu Produkten, die besonders viel Fleisch, "Premium-Zutaten" oder "Getreidefreiheit" versprechen. Es fühlt sich einfach richtig an.
Doch genau diese gut gemeinte Entscheidung hat eine Kehrseite, die vielen von uns gar nicht bewusst ist. Eine aktuelle Studie der Universitäten Edinburgh und Exeter hat ergeben, dass gerade diese fleischreichen Premium-Hundefutter das Klima massiv belasten. In einigen Fällen schadet die Hundeernährung dem Planeten sogar mehr als unsere eigene menschliche Ernährung.
Als zertifizierte Ernährungsberaterin möchte ich dieses emotionale Thema heute ganz ruhig und sachlich mit euch betrachten. Wir klären, warum bestimmte Fütterungsarten das Klima stark belasten und wie du deinen Hund gesund, bedarfsdeckend und gleichzeitig umweltfreundlicher ernähren kannst. Ich habe die Informationen allgemein zusammengefasst - wichtig ist, jeder Mensch und jedes Tier ist ein Individuum. Es gibt nie den "Einen" Weg für alle - es gibt immer einen Weg, individuell für Euch. Ich nehme in diesem Blogartikel, lediglich Bezug auf die Studien und gebe keine Empfehlung ab - macht euch euer eigenes Bild und wenn ihr Fragen habt, dann antworte ich euch sehr gern 🫶
Warum der CO2-Pfotenabdruck wächst
Die Menge an Fleisch, die unsere Haustiere verbrauchen, ist enorm. Eine Studie des Veterinärprofessors Andrew Knight verdeutlicht das mit einer eindrucksvollen Zahl: Ein durchschnittlicher Hund konsumiert über seine Ernährung jährlich etwa 13 landwirtschaftlich gehaltene Landtiere. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Mensch kommt im selben Zeitraum auf etwa neun Tiere.
Dieser Unterschied von fast 40 Prozent liegt schlichtweg daran, dass ein typisches Hundefutter im Durchschnitt zu 34 Prozent aus tierischen Zutaten besteht, während die menschliche Ernährung global gesehen nur zu 19 Prozent tierisch ist.
Gleichzeitig untersuchten Forscher über 1.000 verschiedene Hundefutterprodukte auf dem britischen Markt auf ihren CO2-Fußabdruck. Die Ergebnisse waren extrem: Zwischen dem Futter mit der geringsten Umweltbelastung und dem Futter mit der höchsten Belastung lag ein gigantischer Unterschied – Letzteres stieß bis zu 65-mal mehr CO2-Äquivalente aus.
Trockenfutter, Nassfutter oder BARF?
Nicht jedes Futter belastet die Umwelt gleich stark. Die Studien zeigen klare Tendenzen auf, welche Fütterungsform den höchsten Ausstoß an Treibhausgasen verursacht.
Klassisches Trockenfutter schneidet in der ökologischen Bewertung am Besten ab. Das liegt zum einen an der Verarbeitung, zum anderen aber vor allem an der Zusammensetzung. Trockenfutter enthält im Regelfall moderatere Fleischanteile und greift häufiger auf Kohlenhydratquellen zurück.
Nassfutter und Rohfütterung (BARF) haben hingegen eine deutlich schlechtere Klimabilanz. Diese Fütterungsarten basieren oft, auf sehr hohen Fleischmengen. Hinzu kommt ein weiterer kritischer Punkt: Viele Premium- und Rohfutter nutzen Muskelfleisch in Lebensmittelqualität, also Fleisch, das theoretisch auch für den menschlichen Verzehr geeignet wäre. Die Produktion dieses "Prime Meats" ist extrem ressourcen- und emissionsintensiv.
Standardfutter hingegen nutzt oft tierische Nebenerzeugnisse (wie Innereien). Diese sind für den Hund sehr nährstoffreich und gesund, belasten die Umwelt aber weitaus weniger, da sie aus der menschlichen Lebensmittelproduktion ohnehin anfallen.
Das Missverständnis um getreidefreies Futter
Auch der Trend zu "getreidefrei" treibt die Klimaemissionen in die Höhe. Der Verzicht auf Getreide bedeutet in der Praxis fast immer, dass stattdessen entweder der Fleischanteil erhöht wird oder andere kohlenhydratreiche Pflanzen (wie Kartoffeln oder Tapioka) genutzt werden, die in der Ökobilanz schlechter abschneiden als klassisches Getreide.
Fachlich gesehen ist ein genereller Verzicht auf Getreide für die meisten Hunde ohnehin völlig unnötig. Der Haushund hat sich in seiner jahrtausendelangen Domestikation an der Seite des Menschen genetisch an die Verdauung von Stärke angepasst. Hunde verfügen über Amylase-Gene, die es ihnen erlauben, komplexe Kohlenhydrate hervorragend als Energielieferanten zu nutzen.
Ein hoher Getreideanteil ist also keineswegs ein Zeichen für "minderwertiges" Futter, sondern in vielen Fällen eine hochverdauliche, darmfreundliche und ökologisch sehr sinnvolle Energiequelle für deinen Hund.
Vegane Ernährung als Lösung?
Wenn Fleisch das Problem ist, liegt der Gedanke an pflanzliche Alternativen nahe. Professor Andrew Knight rechnet vor: Würden alle Haushunde weltweit auf eine nährstoffbedarfsdeckende vegane Ernährung umgestellt, könnten jährlich sechs Milliarden Landtiere vor der Schlachtung bewahrt werden.
In der Praxis ist die vegane Ernährung von Hunden tatsächlich möglich, da der Hund ein Allesfresser (Omnivor) ist und Nährstoffe auch aus pflanzlichen Quellen (wie Hülsenfrüchten kombiniert mit Getreide) synthetisieren kann. Sie erfordert jedoch sehr viel Fachwissen und spezielle Ergänzungen (Supplemente wie L-Carnitin, Taurin, Vitamin B12), um Mangelerscheinungen zu vermeiden.
"Mein praktischer Rat als Ernährungsberaterin: Du musst deinen Hund nicht zwingend vegan ernähren, um das Klima zu schützen. Der Ansatz des "Clean Feedings" – bei dem wir Rationen mit etwa 50 % tierischem und 50 % pflanzlichem Anteil (inkl. Kohlenhydraten) gestalten – senkt den ökologischen Fußabdruck bereits drastisch ab und ist für den Hundeorganismus sehr naturnah und leicht verträglich."
Häufig gestellte Fragen
Ist Trockenfutter umweltfreundlicher als Nassfutter?
Ja, aus ökologischer Sicht ist Trockenfutter deutlich klimafreundlicher als Nassfutter. Dies liegt vor allem an zwei Faktoren: Erstens enthält Trockenfutter in der Regel einen höheren Anteil an pflanzlichen Energielieferanten (Kohlenhydraten) und tierischen Nebenerzeugnissen, deren Produktion weniger CO2 verursacht. Zweitens ist Nassfutter extrem wasserreich und verwendet oft Muskelfleisch in Lebensmittelqualität. Dadurch sind nicht nur die Zutaten ressourcenintensiver in der Erzeugung, sondern auch das Transportvolumen und der Verpackungsmüll fallen bei Nassfutter aufgrund des hohen Wassergehalts sehr viel höher aus.
Schadet BARF der Umwelt?
Die Rohfütterung (BARF) weist in wissenschaftlichen Untersuchungen mit die höchsten Treibhausgasemissionen aller Fütterungsarten auf. Das liegt an dem konzeptbedingten, extrem hohen Anteil an tierischen Komponenten von oft 70 bis 80 Prozent. Viele Hundehalter nutzen für BARF zudem sehr hochwertiges Fleisch (Muskelfleisch), welches enorme landwirtschaftliche Ressourcen in der Herstellung verbraucht. Zudem muss Rohfutter durchgehend tiefgekühlt gelagert und transportiert werden, was die Energiebilanz und den sogenannten CO2-Pfotenabdruck zusätzlich stark negativ beeinflusst.
Kann ich meinen Hund vegan ernähren?
Aus rein biologischer Sicht ist das möglich. Hunde sind Allesfresser (Omnivoren) und keine reinen Fleischfresser. Sie können Nährstoffe aus pflanzlichen Quellen gut verwerten, sofern diese richtig verarbeitet wurden. Eine vegane Ernährung erfordert jedoch hohe Fachkenntnis, da pflanzlichen Rationen bestimmte lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamin B12, L-Carnitin oder ausreichend essenzielle Aminosäuren fehlen können. Diese müssen zwingend über synthetische Nahrungsergänzungen zugeführt werden, um schwere Mangelerscheinungen zu verhindern. Bevor du deinen Hund vegan ernährst, solltest du dich unbedingt fachlich von einer Ernährungsberaterin begleiten lassen.
Warum ist getreidefreies Hundefutter oft schlecht für das Klima?
Getreidefreies Hundefutter wird oft stark nachgefragt, weil es als besonders "artgerecht" vermarktet wird. Um das Getreide im Futter zu ersetzen, erhöhen die Hersteller jedoch meist den Fleischanteil drastisch oder greifen auf exotischere Kohlenhydratquellen zurück. Da die Produktion von Fleisch – insbesondere von hochwertigem Rind oder Lamm – einen extrem hohen Ausstoß an Treibhausgasen verursacht, schnellen die Klima-Emissionen bei diesen Futtersorten im Vergleich zu getreidehaltigem Standardfutter stark nach oben. Für gesunde Hunde ist Getreide eine leicht verdauliche und klimafreundliche Energiequelle.
Sind tierische Nebenerzeugnisse im Hundefutter schlecht?
Ganz im Gegenteil! Tierische Nebenerzeugnisse wie Innereien (Leber, Pansen, Herz) sind für Hunde extrem nährstoffreich, liefern wichtige Spurenelemente und sind hervorragend verdaulich. Aus ökologischer Sicht sind sie zudem die mit Abstand beste Wahl für tierische Proteine: Da sie als sogenannte Koppelprodukte bei der Schlachtung für den menschlichen Verzehr ohnehin anfallen, wird für ihre Erzeugung kein zusätzliches CO2 produziert. Ein Futter, das offen deklarierte, hochwertige Nebenerzeugnisse nutzt, ist nachhaltig und gesund.
Wie kann ich meinen Hund nachhaltiger füttern, ohne ihm zu schaden?
Du kannst den CO2-Abdruck deines Hundes deutlich reduzieren, ohne auf eine bedarfsdeckende Fütterung zu verzichten. Achte darauf, den Fleischanteil im Futter nicht künstlich hochzuhalten – ein tierischer Anteil von rund 50 Prozent reicht für einen gesunden erwachsenen Hund völlig aus. Integriere gut aufgeschlossene Kohlenhydrate wie Reis, Nudeln oder Haferflocken als Energielieferanten. Greife zudem öfter auf Geflügel oder Insektenprotein zurück, anstatt Rind oder Lamm zu verfüttern, da deren Erzeugung deutlich mehr Emissionen verursacht. Eine Rationsüberprüfung durch einen Profi gibt dir hier Sicherheit.
Checkliste: So machst du den Napf klimafreundlicher
Fleischanteil prüfen: Braucht dein Hund wirklich 80 % Fleisch? Bei gesunden Hunden genügen rund 50 % tierische Proteine vollkommen.
Kohlenhydrate nutzen: Getreide, Kartoffeln oder Reis sind hervorragende, klimafreundliche Energielieferanten, wenn sie sehr weich gekocht wurden.
Auf die Fleischsorte achten: Rind und Lamm verursachen ein Vielfaches an Emissionen im Vergleich zu Huhn, Pute oder Insektenprotein.
Nebenerzeugnisse schätzen: Futter mit gesunden Innereien (Leber, Pansen) ist ökologisch viel wertvoller als Futter aus reinem Muskelfleisch ("Prime Meat").
Gemüse ergänzen: Streck das Futter ruhig mit regionalem, saisonalem Gemüse (z. B. weich gekochte Möhren). Das sättigt, liefert Ballaststoffe und schont die Ressourcen.
Insektenprotein testen: Wenn dein Hund sensibel ist, sind Futter auf Insektenbasis eine exzellente, extrem nachhaltige und hochverdauliche Proteinquelle.
Kernaussagen
Fleischreiche Premium-Hundefutter und BARF-Rationen stoßen bis zu 65-mal mehr Treibhausgase aus als klassisches, kohlenhydrathaltiges Trockenfutter.
Der Verzicht auf Getreide im Hundefutter führt ökologisch oft zu einer Verschlechterung, da Getreide durch klimabelastendes Fleisch ersetzt wird.
Hunde sind Allesfresser (Omnivoren) und genetisch an die Verdauung von Stärke angepasst; extrem hohe Fleischanteile sind physiologisch meist unnötig.
Die Verwendung von tierischen Nebenerzeugnissen im Futter ist ökologisch stark zu bevorzugen, da die Produktion von reinem Muskelfleisch immense Umweltressourcen verbraucht.
Eine pflanzenbasierte oder fleischreduzierte Hundeernährung (Clean Feeding) kann Millionen Landtiere retten und den CO2-Ausstoß drastisch senken.
Quellen
Deutscher Presseindex: "Eine Umstellung der Ernährung Ihres Hundes kann laut einer Studie mehr für den Planeten bewirken als eine Umstellung Ihrer eigenen Ernährung" (basiert auf der Studie von Prof. Andrew Knight). Ein Herz für Tiere Magazin: "Studie zeigt: Manche Hundefutter schaden der Umwelt mehr als unsere eigene Ernährung". Harvey, J.D., Crowley, S.L., Eory, V., Alexander, P. (2026): "Estimating the environmental impact of dog foods marketed in the UK". Journal of Cleaner Production, 540, 147277.




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